Beharrlichkeit

Beharrlichkeit zeichnet einen intrinsisch motivierten Menschen aus – einen Menschen, der ein Ziel um seines selbst willen anstrebt und nicht wegen einer Belohnung (Lob oder Geld). Er lässt sich von Problemen nicht leicht beirren und gibt nicht auf.

Der intrinsisch motivierte Mensch hat gelernt, dass sich anstrengen und auch Rückschläge zum Leben gehören, so wie Hinfallen beim Laufen lernen. Je mehr kleine und dann größere Herausforderungen ein Mensch im Lauf seines Lebens meistert, desto besser kann er mit Problemen und den damit verbundenen Ängsten umgehen. Er erkennt, dass er eine Problemlösungsfähigkeit hat und entwickelt Selbstvertrauen.

Die Angst, zu scheitern, wird geringer. Ein solcher Mensch behält die Ruhe und der Einfluss der Amygdala – des Teils des Gehirns, der bei gefühlter Bedrohung die archaischen Reaktionen (Angriff, Flucht oder Erstarrung) auslöst – wird reduziert. Als Folge davon  steht das Großhirn – der Präfrontale Cortex – für die logische Bearbeitung des Problems zur Verfügung: Analyse, alternative Zielsetzung, Folgeabschätzung und Handlungsplanung.

Die Erfahrungen mit der Lösung von Problemen und die daraus folgenden Verschaltungen im Gehirn sind für die Persönlichkeit von großer Bedeutung. Für einen Menschen, der positive Erfahrung aus gelösten Problemen hat, stellen Probleme kein Hindernis mehr dar, sondern werden zu Herausforderungen, an denen er sich messen und wachsen kann.

Die Erziehung, die die intrinsische Motivation stärkt und dem Kind zusätzlich (innere) Wertmaßstäbe – also Tugenden – vermittelt, bietet dem Menschen neben dem Ziel auch eine Orientierung, welchen Weg zum Ziel er wählen soll. Er erlangt Verhaltenssicherheit.

Der Mensch kennt nicht nur sein Ziel, sondern hat auch einen Kompass für seinen Weg. Das ist heute umso wichtiger, als viele Rollenmuster, kulturelle Prägungen und Strukturen (Vereine, Kirchen, Parteien, …) ihre Bindekraft verloren haben und für die Orientierung wegfallen. Die Orientierung müssen wir in uns selbst finden, sie muss internalisiert werden.

Menschen, deren Eltern ihre Situation nicht realistisch sehen, die über ihre Probleme schimpfen aber nicht selbst aktiv werden sondern lieber nach dem Staat rufen, lernen das natürlich nicht. Sie übernehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Grenzen und das Verhalten ihrer Eltern. Andere Vorbilder, die Problem selbst lösen, können helfen.

Das soziale Umfeld und die entsprechende Sozialisation entscheiden, ob der Mensch in auftretenden Problemen eine Grenze – womöglich eine Zumutung – sieht oder eine Herausforderung, an der er wachsen kann. Problem ist nämlich nur „eine zu erledigende Aufgabe“ (das ist die Übersetzung des Wortes).

Der Sozialstaat in Deutschland ist Teil der Sozialisation. Er ist – nach meiner Auffassung – falsch ausgestaltet und bewirkt, dass sich Menschen nicht hinreichend anstrengen müssen (und dürfen). Sie müssen weniger Probleme selbst lösen, entwickeln weniger Beharrlichkeit, erzielen weniger Erfolgserlebnisse und entwickeln so auch weniger Selbstvertrauen.  

Joachim Gauck hat formuliert: „Es schwächt die Schwachen, wenn wir nichts von ihnen erwarten.“ Wer also Probleme – mit Beharrlichkeit – löst, erlebt Erfolge und persönliches Wachstum.


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