Was ist Resilienz wirklich?

Suchen wir sie am falschen Ort? 

 

Resilienz ist eines der meistverwendeten Wörter unserer Zeit. Ob im Beruf, in den Medien oder in Ratgebern – überall wird empfohlen, resilienter zu werden. Gemeint ist damit meist:  Belastungen besser auszuhalten, widerstandsfähiger zu werden und Krisen besser zu bestehen.

 

Doch je häufiger ich dieses Wort höre, desto mehr stelle ich mir eine andere Frage:

 

Suchen wir Resilienz vielleicht am falschen Ort?

 

Wenn Erschöpfung zum Alltag wird

 

Wer erschöpft ist, wünscht sich mehr Kraft.
Wer unter Stress leidet, wünscht sich mehr Belastbarkeit.
Wer sich von Krisen überfordert fühlt, sucht nach mehr Resilienz.

 

Das ist verständlich.

 

Aber vielleicht stellen wir die falsche Frage.
Nicht wie komme ich zu mehr Widerstandskraft – sondern:

 

Wie bin ich überhaupt an diesen Punkt gekommen?

 

Vielleicht führt diese Frage näher an die eigentliche Ursache.

 

Erschöpfung entsteht selten plötzlich

 

Die wenigsten Menschen sind von heute auf morgen erschöpft.
Meist geschieht es langsam. Fast unmerklich.

 

Es beginnt mit kleinen Entscheidungen.
Wenn wir Ja sagen, obwohl in unserm Inneren ein Nein zu hören ist.
Wenn wir uns einen weiteren Tag keine Zeit nehmen, um innezuhalten.

 

Jede dieser Entscheidungen erscheint unbedeutend.
Doch irgendwann entsteht daraus ein Muster.
Und irgendwann macht sich Erschöpfung bemerkbar.

 

Dann sprechen wir von Stress.
Von Überforderung.
Von fehlende Resilienz.

 

Vielleicht müssten wir eben viel früher aufmerksam werden.

 

Was wir lernen – und was wir nicht lernen

 

Im Laufe unseres Lebens lernen erstaunlich viel.
Wir lernen zu sprechen, zu lesen und Verantwortung zu übernehmen.
Wir lernen, Probleme zu lösen und Erwartungen zu erfüllen.

 

Doch lernen wir auch uns selbst kennen?
Was unsere Bedürfnisse sind. Was uns Kraft gibt – und was uns Kraft raubt.
Lernen wir, unsere inneren Signale überhaupt wahrzunehmen?

 

Darüber wird erstaunlich wenig gesprochen.
Vielleicht weil es einfacher ist, neue Methoden anzuwenden, als sich neue Fragen zu stellen.

 

Beginnt Resilienz früher?

 

Vielleicht beginnt Resilienz nicht erst dann, wenn das Leben schwierig wird.
Vielleicht beginnt sie viel früher.
In dem Moment, in dem wir anfangen, unser Selbst wichtig zu nehmen.

 

Nicht mit großen Entscheidungen.
Nicht mit radikalen Veränderungen.
Sondern indem wir genauer hinsehen.

 

Denn manchmal verändert eine ehrliche Frage mehr als zehn gut gemeinte Ratschläge.

 

Eine Frage, die bleiben darf

 

Ich möchte Dir deshalb keine Definition von Resilienz mitgeben.

Nur eine Frage:

Kann es sein, dass Resilienz nicht dort beginnt, wo wir lernen, mehr auszuhalten –
sondern dort, wo wir genauer hinsehen, was wir brauchen?

 

Vielleicht begleitet Dich diese Frage noch ein wenig.

Wenn das geschieht, hat dieser Artikel seinen Zweck erfüllt.

 

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Ich schreibe jede Woche einen „Brief auf dem Weg zur Resilienz“.

Darin findest Du keine schnellen Lösungen und keine Patentrezepte. Stattdessen greife ich jeweils einen Gedanken auf, der Dich einlädt, Deine Sicht auf Resilienz zu hinterfragen.

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