Ständig unzufrieden? Die Falle des Vergleichs (Resilienz-Serie #11)

 

Eigentlich müsstest Du zufrieden sein. Du bist gesund, hast eine interessante Tätigkeit, eine nette Familie, eine schöne Wohnung oder Haus. Du hast Freunde, kannst Dir etwas leisten, in den Urlaub fahren und bist angesehen in Deinem Umfeld. Aber irgendwie bist Du dennoch ständig unzufrieden.

Verglichen mit vielen anderen Menschen, geht es Dir gut. Und trotzdem bist Du innerlich nicht zufrieden. Vielleicht kennst Du dieses Gefühl. Wie ist es zu erklären, denn eigentlich fehlt Dir doch nichts. Oder vielleicht doch?

Die Falle des Vergleichs

Wir leben in einer Welt, in der uns ständig gezeigt wird, was uns noch fehlen könnte. Das größere Haus, ein neues Auto, die nächste Reise, das bessere Aussehen, der nächste Karriereschritt.

Werbung macht uns nicht nur Angebote. Sie zeigt uns die Bilder davon, wie ein gutes Leben aussehen könnte. Wir vergleichen uns mit den Nachbarn, mit Kollegen oder Freunden. Wir vergleichen uns auch mit Menschen, die wir gar nicht kennen.

Ein Blick auf das Smartphone genügt und wir sehen Menschen:

– mit mehr Erfolg,
– mit besserem Aussehen,
– die mehr haben.

Diese Menschen haben ihr Leben scheinbar besser im Griff und machen mehr daraus. Plötzlich wirkt das eigene Leben ein wenig kleiner, weniger erfolgreich und unattraktiver. Aber warum vergleichen wir ständig? 

Warum ist uns wichtig, was andere haben?

Vielleicht ist die interessante Frage nicht:

„Was haben andere, das mir fehlt?“

Sondern:

„Warum ist mir überhaupt wichtig, was andere haben?“

Wenn ich etwas haben möchte, nur weil es ein anderer besitzt, weiß ich dann wirklich, dass es mir fehlt? Vielleicht gefällt mir das Auto des Nachbarn, aber würde ich es auch wollen, wenn ich es nie gesehen hätte?

Vielleicht beneide ich jemanden um seine berufliche Position, aber würde ich diese Arbeit selbst machen wollen? Welche Kompromisse muss derjenige eingehen und würde ich sie akzeptieren?

Vielleicht sehe ich die Urlaubsbilder anderer Menschen und denke: So möchte ich auch leben. Aber weiß ich überhaupt, wie diese Menschen wirklich leben? Wir sehen nur die Bilder, was jemand hat.
Sehen wir auch, wer er wirklich ist?

Wie können wir zufrieden leben, wenn wir ständig, das was wir haben, mit dem vergleichen, was andere haben? Vielleicht lohnt auch ein Blick auf das Wort selbst:

Un-Zufriedenheit. Uns fehlt der Frieden mit uns, dem, was ist.

Würde mich das, was andere haben, wirklich glücklich machen?

Das ist vielleicht die wichtigste und schwierigste Frage. Wenn ich morgen genau das hätte, was mir heute angeblich fehlt – wäre ich dann zufrieden? Vielleicht für einen Tag, eine Woche oder 6 Monate? Und dann?

Dann gibt es wieder etwas Neues, das ich noch nicht habe:

– wieder ein neues Auto,
– eine noch größere Wohnung,
– noch mehr Geld,
– noch mehr …….


Man kann sein ganzes Leben mit Vergleichen verbringen: immer auf etwas schauen, dass jemand anderes hat und wir nicht. Das hört nie auf. Es wird immer jemanden geben, der mehr hat.
 

Die eigentliche Frage, die viel zu selten gestellt wird, ist doch:

Wer bin ich eigentlich?

Definiere ich mich über das, was ich habe, meine Position, meine Beziehungen? Hängt meine Zufriedenheit tatsächlich davon ab?

Sollte ich mich nicht eher fragen:

Was brauche ich wirklich – was ist für mich wirklich wichtig?  

Nicht: was halten andere für erstrebenswert!
Nicht: was flüstert mir die Werbung ein.
Nicht: was wollen gerade alle haben.

Zufriedenheit erlangen wir mit dem, was uns entspricht, was wir bedürfen! 
Zufriedenheit beginnt damit, dass wir beachten, was unser eigenes Leben uns bereits bietet, und es wertschätzen. 

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:

„Was fehlt mir?“

Sondern:

„Was brauche ich wirklich, um nachhaltig glücklich zu sein?“

      

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Abschluss der Serie

Mit diesem Artikel endet die Serie „Von der Erschöpfung zur Resilienz“.

Nicht, weil das Thema Resilienz damit abgeschlossen wäre. Sondern weil Resilienz für mich mehr ist als die Fähigkeit, Belastungen auszuhalten.

Die bisherigen Artikel haben unterschiedliche Fragen gestellt: zu Erschöpfung, Unruhe, Unsicherheit, Erwartungen, Grenzen und den Umgang mit Ungewissheit.

Diese Fragen führen zu der grundsätzlicheren Frage:

Wer bin ich eigentlich – und wer will ich sein?
Was brauche ICH? Nicht, was meinen die Anderen, sondern was brauche ICH. Was befriedigt MICH emotional, nicht materiell?
Was ist der Sinn meines Lebens? Was sind meine Ziele?

Darüber werde ich in der nächsten Serie schreiben, die in Kürze beginnt.

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