Ständig müde ohne Grund? Warum innerer Widerstand erschöpft

 

„Ich bin müde.“ Diesen Satz hören wir oft, manchmal sagen wir ihn selbst.

Ständig müde: das passt oft nicht so recht zu dem, was wir täglich leisten. Es waren kein besonders anstrengenden Tage, keine außergewöhnlichen Belastungen. Trotzdem fühlen wir uns abends nicht nur müde, sondern erschöpft. Woran kann das liegen?

Vielleicht macht uns nicht nur das müde, was wir erledigen. Womöglich ermüdet uns das besonders, was wir erledigen, obwohl es uns nicht passt oder nicht zu uns passt.

Was kostet Energie

 

Stell Dir vor, Du hast eine Aufgabe vor Dir, die Du schon seit Tagen vor Dir herschiebst. Du weißt manchmal nicht, warum Du sie nicht angehst. Die Aufgabe ist Dir zuwider. Du weißt, dass Du sie erledigen musst.

Dann überwindest Du Dich und beginnst, unterbrichst, fängst wieder an. Du ärgerst Dich:

– über die Aufgabe,
– über den, der Dir die Aufgabe aufgetragen hat,
– über Dich selbst, weil Du Deinen inneren Widerstand spürst.

Irgendwann ist die Aufgabe erledigt. Auch Du bist erledigt, obwohl Du nicht viel gearbeitet hast. Aber warum nur?

Nicht nur das Erledigen der Aufgabe kostet Dich Energie. Das Überwinden Deines inneren Widerstandes gegen die Aufgabe kostet Dich Energie – zusätzliche Energie. Manchmal kostet Dich das mehr Energie, als die eigentliche Aufgabe zu erledigen.

Etwas zu erledigen, was wir nicht wollen, was nicht zu uns passt oder dessen Sinn wir nicht erkennen können, das macht uns müde und erschöpft uns.

Was gibt mir Energie?

 

Das Gegenteil kennen wir ebenfalls. Wir verbringen Stunden mit etwas, das uns wichtig ist und das wir tun wollen. Dann können wir es teilweise gar nicht erwarten, anfangen zu können, dann arbeiten wir konzentriert und vergessen sogar die Zeit. Dann sind wir abends vielleicht auch müde, aber nicht erschöpft. Wir haben etwas getan, was wir tun wollten.

Das kennen wir auch von Gesprächen, Projekten oder von Reisen. Immer, wenn wir es tun wollen und es zu uns passt, ist es vielleicht anstrengend, es erschöpft uns aber nicht.
Was wir tun, verbraucht zwar auch Energie, gibt uns aber auch neue Energie. Teilweise schwingt auch Stolz mit, darauf, was wir geleistet haben.

Die gleiche Zahl von Stunden kann also völlig unterschiedlich auf uns wirken: sie kann uns erschöpfen oder mit neuer Energie versorgen. Ist das nicht erstaunlich?

Nicht wieviel wir arbeiten, macht den Unterschied  – sondern ob wir das, was wir tun, auch tun wollen und ob es zu uns passt.

Innerer Widerstand macht müde

Wir können uns lange stemmen:

– gegen eine Aufgabe,
– gegen eine Situation oder Entwicklung,
– vielleicht sogar gegen unser Leben.

Nach außen betrachtet, funktionieren wir. Wir stehen auf, gehen unserer Tätigkeit nach, erledigen unsere Aufgaben, erfüllen unsere Verpflichtungen.

Unsere Energie-Bilanz zeigt uns, ob wir mehr Energie verbrauchen, als wir neu gewinnen.
Erschöpfung ist das Signal, dass wir etwas tun:

– was uns nicht passt und das wir – aus irgendeinem Grund – ablehnen,
– das einen Widerstand in uns auslöst, dessen Grund uns nicht einmal bewusst sein muss.

Frage Dich also nicht:

„Was macht mich müde?“

Sondern:

„Was will ich nicht tun? Warum will ich es nicht?

Müdigkeit ist manchmal nicht ein Zeichen dafür, dass wir viel machen.
Manchmal ist sie ein Hinweis darauf, dass wir gegen uns selbst handeln.

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Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „Von der Erschöpfung zur Resilienz“. Wenn du die Gedanken verfolgen möchtest, beginne mit dem ersten Artikel der Serie „Was ist Resilienz wirklich.“ Du findest ihn auf meiner Homepage. 

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