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Du regst mich auf! - Warum rege ich mich so auf?

 

Es gibt Menschen, die können uns innerhalb weniger Sekunden auf die Palme bringen. Der Autofahrer vor uns, der viel zu langsam fährt. Der Kollege, der schon wieder etwas anders macht, als wir es für richtig halten. Der Partner, der einfach nicht so reagiert, wie wir es erwarten und wir sagen: "Du regst mich auf". Manchmal reicht ein einziger Satz - und wir reagieren gereizt. Warum eigentlich?

Warum kann ein anderer Mensch, der vielleicht gar nichts von unserem Ärger bemerkt, so viel Macht über unsere Stimmung bekommen?

Zwei Menschen im Krankenhaus

Ich habe darüber nachgedacht, als ich einmal zwei Menschen im Krankenhaus erlebt habe. Sie lagen auf derselben Station. Beide waren krank und mussten einen Genesungsprozess durchlaufen, den sie nur begrenzt beeinflussen konnten.

 

Der eine, nennen wir ihn Stefan, nahm die Situation erstaunlich ruhig hin. Natürlich war er nicht begeistert, krank zu sein. Er wollte wieder gesund werden. Er glaubte daran, dass die Behandlung ihm helfen würde, und machte das, was die Ärzte und Pflegekräfte ihm empfahlen. Er wartete, auf die nächste Untersuchung, die nächste Behandlung und auf seine Genesung.

Stefan wusste nicht, wie lange es dauern würde - er schien damit leben zu können. Er dachte vielleicht:

Es dauert solange, wie es dauert, bis ich wieder gesund bin.

Der andere Patient, nennen wir ihn Christoph, reagierte völlig anders. Er schimpfte über seine Krankheit, über die Ärzte, die Krankenschwestern und über die Wartezeiten. Immer wieder fand er etwas, worüber er sich aufregen konnte. Er zweifelte, ob die Behandlung wirklich helfen würde, ob die Ärzte das Richtige taten und ob die Genesung so verlaufen würde, wie man ihm gesagt hatte.

Besonders erstaunlich fand ich, dass Christoph sich sogar darüber aufregte, dass er krank geworden war. Als hätte er mit seinem Körper einen Vertrag geschlossen, der Krankheit ausschloss, an den sich sein Körper nun nicht hielt.

Beide hatten eins gemeinsam: Beide wussten nicht, wann sie wieder gesund sein würden.

Warum rege ich mich auf?

Der Unterschied lag nicht in der Situation. Der Unterschied war:

- Stefan konnte die Ungewissheit aushalten,

- Christoph kämpfte gegen die Ungewissheit an.

Es ist verständlich, dass wir alle wissen wollen, was passieren wird und wann. Wir wollen, dass andere Menschen sich so verhalten, wie wir es erwarten. Dafür planen wir, treffen Entscheidungen und organisieren. Das ist gut so, denn natürlich müssen wir entscheiden und handeln, wenn wir etwas bewegen wollen.

Aber gegen die Ungewissheit anzukämpfen, macht schlich keinen Sinn:

- andere Menschen entscheiden selbst, nach ihren eigenen Gründen,
- die Welt bewegt sich, unabhängig von unserem Wollen und Tun,
- die Zukunft bleibt ungewiss.

Wir wollen kontrollieren, was sich nicht kontrollieren lässt.

Der Autofahrer vor uns fährt nicht schneller, weil wir uns über ihn ärgern. Der Kollege ändert seine Art nicht, weil wir uns den ganzen Nachmittag darüber aufregen. Unser Partner wird nicht zu einem anderen Menschen, auch wenn wir ihm immer wieder erklären, was er anders machen solle.

Und wir können auch nicht unseren eigenen Körper dazu bringen, nicht krank zu werden. Vor allem dann, wenn wir uns jahrelang nicht um ihn gekümmert haben. Wir werden kaum schneller gesund, wenn wir uns ärgern und die Ärzte kritisieren.

Wir können nur sorgfältig planen, uns Gedanken über zukünftige Entwicklungen machen, Entscheidungen treffen und handeln. Unser Tun trifft auf den Lauf der Welt, den wir weder bestimmen noch vorhersagen können. Das Ergebnis unseres Handelns erfolgt in der Zukunft. Das alles liegt nicht in unserer Macht.

Das Leben ist ungewiss. Wir wissen nicht, was geschehen wird. Wir wollen sicher sein, dass unsere Entscheidung zum gewünschten Ergebnis führt: diese Sicherheit gibt es nicht.

Vielleicht ist deshalb die Frage nicht:

„Wie schaffe ich es, mich nicht aufzuregen, über andere Menschen oder das Geschehen?“

Die interessanteren Fragen sind:

„Warum gebe ich der Situation oder anderen Menschen so viel Macht über mich?“

Oder besser:

„Was will ich kontrollieren – und warum?“

Wird mein Bedürfnis nach Kontrolle nicht kleiner, wenn ich auf mich selbst vertraue? Mehr darauf vertraue, dass ich mit einer Situation oder mit einer Entwicklung zurechtkomme, egal wie es kommt? Die Sicherheit liegt dann nicht mehr in der Welt, in anderen Menschen.

Die Sicherheit liegt in mir. Und diese Sicherheit kann mir niemand nehmen.

Zur Krankenhausgeschichte zurück:

- Wenn Christoph sich aufregt, dass er krank geworden ist und im
Krankenhaus liegt: ist das in irgendeiner Form förderlich für seine
Genesung?

- Wenn Stefan hingegen seine Krankheit ruhig akzeptiert, auf die Ärzte
vertraut und an seine Genesung glaubt: sind das nicht ganz wichtige
Beiträge zu seiner Genesung?

Die Einstellung ist ein Aspekt der Freiheit. Nicht die Freiheit, dass alles so geschieht, wie wir es wollen. Sondern die Freiheit, zu akzeptieren, was wir heute nicht ändern können. Nur dafür zu planen und zu handeln, was wir beeinflussen können. Damit entziehen wir dem Geschehen und anderen Menschen die Macht über unser Befinden.

Wenn Dich mal wieder etwas oder jemand droht auf die Palme zu bringen, könnt



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