Blamiere dich täglich

Blamiere dich täglich! Wie leicht sich das sagt. Wie oft haben Sie schon über eine Veränderung in Ihrem Leben nachgedacht, über etwas, was Sie schon lange machen wollten, und haben es dann – wieder einmal – verworfen, weil Sie Angst hatten, zu scheitern, sich zu blamieren? 

Haben Sie einmal daran gedacht, dass Ihnen (nur) Veränderungen in den Sinn kommen – Ihnen Ihre Intuition oder Erkenntnis nur solche Ideen liefert -, die Sie auch ausführen können? Woher kommt dann die Angst zu scheitern?

Die Angst ist ein Überlebensmechanismus. Die nicht vorsichtigen Menschen sind in der Vergangenheit umgekommen, sind von dem berühmten Säbelzahntiger gefressen worden. Diese Zeiten sind für uns in Europa allerdings vorbei. Das Bedrohungszentrum in unserem Gehirn, die Amygdala (vgl. https://haharth.de/gehirnentwicklung/), arbeitet aber weiter so.  

Welche elementaren Risiken haben wir heute noch? Es handelt sich meist nur noch um die Gefahr des Scheiterns, ohne dauerhafte Schäden. Es ist mehr die mögliche Blamage, etwas unternommen zu haben, das dann misslingt.

Die Angst kommt häufig daher, dass Sie etwas planen, das Sie noch nicht gemacht haben – vielleicht auch niemand aus Ihrem Umfeld. Ihr Unterbewusstsein spielt Ihnen jetzt einen Horrorfilm vor, was alles daneben gehen kann. Wird es auch geschehen?

Analysieren Sie die Situation und Ihre geplante Handlung. Prüfen Sie, ob Sie etwas übersehen haben und ob Ihre Schlussfolgerungen logisch sind. Wenn Sie keinen Fehler in Ihren Überlegungen finden, dann versuchen Sie es. Finden Sie heraus, ob das geht, was Sie sich vorstellen, ob Sie es können. Riskieren Sie es, zu scheitern.

Damit ist nicht gemeint, dass Sie mutwillig ein Scheitern riskieren sollen, dass Sie sich mutwillig blamieren sollen. Sicher nicht. Aber wenn Sie etwas wollen und bei Ihrer Prüfung keinen Denkfehler entdecken, dann vertrauen Sie Ihrem Ergebnis und handeln Sie. Lassen Sie sich nicht von Ihren
Ängsten stoppen.

Vermutlich werden Sie überrascht und die befürchteten Probleme treffen nicht ein. Ihr Mut, sich zu blamieren, führt zu einen Erfolg. Der lässt Ihr Selbstvertrauen steigen und deshalb gehen Sie die nächste Herausforderung dann mit mehr Selbstsicherheit an.   

Wenn Sie Scheitern vermeiden wollen, können Sie nichts Neues lernen. Erinnern Sie sich daran, wie Sie laufen gelernt haben. Sie sind hingefallen – aber immer wieder aufgestanden. Am Ende haben Sie so laufen gelernt.

„Irrend lernt man,“ hat Goethe gesagt. Wenn ich etwas noch nicht kann, kann ich scheitern. Nur wenn ich das Scheitern riskiere, kann ich etwas Neues lernen. Wir sollten also viel öfter bereit sein, zu scheitern. Leider ist Scheitern gerade in Deutschland mit einem Stigma verbunden. Wer in Deutschland scheitert, erntet die Häme all derer, die nie etwas Neues versucht haben.

Ohne die Bereitschaft zu scheitern, wäre der Corona-Impfstoff von Biontech nicht entwickelt worden. Die Forscher um Ugur Sahin und Özlem Türeci forschen seit 20 Jahren an einer neuen Krebstherapie und haben Anfang 2020 ihren neuen Ansatz auf das Corona-Virus angewandt – mit der Gefahr, zu scheitern. Selbst als der Impfstoff im vergangenen Herbst entwickelt war, blieb unklar, ob die klinischen Tests seine Wirksamkeit und Verträglichkeit erweisen. Dann die große Erleichterung, als die klinischen Tests positive Ergebnisse lieferten.

Wir sollten eine Kultur des Scheiterns etablieren, in dem diejenigen positiv beachtet werden, die etwas riskieren oder ein Wagnis eingehen – und eventuell scheitern. Nicht das „nicht scheitern wollen“, darf das Ziel sein, sondern der mutige Versuch.

„Wer sich viel vornimmt, dem kann auch viel misslingen,“ schrieb Mark Twain. Nehmen Sie sich aber nicht nur viel vor, sondern tun Sie es! Riskieren Sie jeden Tag, sich zu blamieren, und Ihr Leben wird leichter und besser!

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